Kriegs- und Befreiungspublizistik aus dem Ausland und bei der kämpfenden Truppe III

Beispiele: Personen und Instrumente

Arndt als Autor und Redakteur

Bereits vor 1813 waren einzelne Literaten und Publizisten im geistigen Kampf gegen Napoleon mit großer geografischer Beweglichkeit vorangegangen. Der oben bereits erwähnte Garlieb Merkel beispielsweise wurde durch die Erschießung des Buchhändlers Johann Philipp Palms im Sommer 1806 radikalisiert. Weil Palm die Flugschrift Deutschland in seiner tiefsten Erniedrigung verfasst und vertrieben hatte, hatte der Franzosenkaiser an ihm ein Exempel statuieren lassen, um das Volk einzuschüchtern.1

Abb.: Heinrich Friedrich Karl vom und zum Stein, 1821. Zeichnung von Woldemar Friedrich von Olivier (1791-1859). Quelle: http://141.84.81.24/mgh/galerie/ Wikimedia Commons, Public Domain.

Ernst Moritz Arndt (1769-1860) trat spätestens 1808 massiv mit der Zeitschrift Der Nordische Kontrolleur von Stockholm aus in die Auseinandersetzung ein und war 1809 durch seine antinapoleonischen Schriften bereits bekannt. Nach Berlin (1809), Greifswald (1810), Schlesien und Böhmen folgte er dem Ruf Steins nach Russland. Von dort aus begleitete er 1813 Zug um Zug die vorrückenden Truppen und feuerte insbesondere aus Breslau und Königsberg die Propaganda gegen die Franzosen an. Seine Produktivität als Autor von Flugschriften, politischen Gedichten und Artikeln sowie die diesbezügliche Zielgruppendifferenzierung (Soldaten, deutsche und russische Bevölkerung etc.) und seine redaktionellen Tätigkeiten waren bemerkenswert.2

Mittel und Medien

Eine wichtige Rolle bei der Mobilisierung zum Kampf gegen die Franzosen spielten auch zündend geschriebene Aufrufe und Appelle, so genannte Proklamationen, die die Menschen buchstäblich zu den Waffen greifen ließen.3

Ab dem 6. Oktober 1813 erschien aus dem preußischen Hauptquartier eine eigene Feldzeitung, die das französische Bulletin de la Grande Armée nachahmte. Beinahe parallel redigierte Varnhagen von Ense die Zeitung aus dem Feldlager, die keinerlei Regierungszensur unterlag und unentgeltlich unter der Zivilbevölkerung verteilt wurde.4 Varnhagen stand seinerzeit in russischen Diensten und wurde „durch den Lützower Hauptmann Jahn und andere Offiziere des Lützower Korps“ unterstützt (Bialowons 1976, S. 239).

Die Gattung Zeitung/Zeitschrift unterschied Hardenberg deutlich von den Flugschriften, die im Vergleich zu den offiziell kontrollierten Zeitungen polemischere Texte enthalten durften. Parallel dazu zog der Staatskanzler staatlich autorisierten Kundgebungen die Arbeit freier Publizisten vor, da Letztere lediglich indirekt auf die Regierung zurückfallen konnte.5 So konnte Varnhagens Zeitung aus dem Feldlager „in einem frischen und kämpferischen Ton geschrieben (werden), den eine preußische Zensur niemals hätte durchgehen lassen“ (Czygan, S. 367, zit. nach Bialowons 1976, S. 240).

Autor(en): T.L.P.ST.

Anmerkungen

1 Vgl. Bialowons 1976, S. 209.
2 Vgl. die ausführliche Darstellung über Arndt in Bialowons 1976, S. 151 und 155 bis 178.
3 Vgl. Bialowons 1976, S. 227-229.
4 Vgl. Hofmeister-Hunger 1994, S. 265.
5 Vgl. Hofmeister-Hunger 1994, S. 271.