Vom Norddeutschen Bund zum Deutschen Kaiserreich

Krieg und Kaiser

Frankreich verfolgte die Entwicklung in Deutschland und die zunehmende Dominanz von Preußen mit Argwohn. Bei der Vorbereitung des Deutsch-Französischen Krieges mischte Bismarck in Form der berühmt-berüchtigten Emser Depesche kräftig mit.1

Noch während des Deutsch-Französischen Krieges waren auf Initiative des Großherzogs von Baden die süddeutschen Staaten dem Norddeutschen Bund beigetreten (am 15.11.1870 das Großherzogtum Baden, am 18.11.1870 als Gesamtstaat das Großherzogtum Hessen-Darmstadt. am 23.11.1870 das Königreich Bayern und am 25.11. 1870 das Königreich Württemberg). Zum Abbau der Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden deutschen Staatengruppen hatte vor allem auch die Waffenbrüderschaft in diesem Krieg beigetragen. Allerdings waren den Königreichen Bayern und Württemberg größere Zugeständnisse gemacht worden. Der König von Bayern fand sich schließlich auch dazu bereit, dem König von Preußen offiziell anzutragen, die Kaiserkrone aus der Hand aller deutschen Fürsten anzunehmen.

(Naumann 2008, S. 53)

1871, am 18. Januar und im kurz zuvor besiegten Frankreich, wurde Wilhelm I. zum deutschen Kaiser proklamiert. Damit trat das (zweite) Deutsche Reich ins Leben, ein nationalmonarchistischer Obrigkeits- und Bundesstaat. Der gewählte Reichstag hatte nur eingeschränkte Kompetenzen, der Reichskanzler – Bismarck – war einzig dem Kaiser verpflichtet.2

Abb.: Otto von Bismarck in seinem Arbeitszimmer 1886. Quelle: Stein, Walter (Hrsg.): Bismarck. Des eisernen Kanzlers Leben in annähernd 200 seltenen Bildern nebst einer Einführung. Siegen/Leipzig: Montanus, 1915. Scan durch Immanuel Giel / Wikimedia Commons, Attribution-Share Alike 3.0 Unported license https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/legalcode

Reichsgründung veränderte Rahmenbedingungen für Öffentlichkeitsarbeit

Presse- und Zeitungswesen boomten nach der Reichsgründung.3 Das Reichspressegesetz von 1874 sicherte formal die Pressefreiheit, hatte liberale Züge, war aber nicht frei von behördlichen Zwangsmaßnahmen. Die zwei Jahrzehnte zwischen 1871 und 1891 können als „Bindeglied zwischen den Epochen der Pressezensur und der Pressefreiheit“ bezeichnet werden (Goros 1998, S. 63).

Mit der 1875 in Gotha erfolgten Vereinigung von Sozialdemokratischer Arbeiterpartei und Allgemeinem Deutschen Arbeiterverein zur Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands, der späteren Sozialdemokratie, entwickelte sich eine politische Kraft weiter, die das Zentrum einer alternativen Öffentlichkeit und einer proletarischen Presse- und Kulturlandschaft bildete.4

Autor(en): T.L.A.-M.G.

Anmerkungen

1 Vgl. Naumann 2008, S. 51.
2 Vgl. Goros 1998, S. 62.
3 Vgl. Goros 1998, S. 69.
4 Vgl. u. a. Bialowons/Raue 1979, S. 117ff.