Instrumentarium der Pressearbeit I
Interviews des Kanzlers
Ein besonderes Augenmerk legte Adenauer im Rahmen der Medienarbeit auf Interviews.1 Insbesondere die Interviewpolitik fungierte in den ersten Jahren als Ersatzaußenpolitik, um dem deutschen Standpunkt international Gehör zu verschaffen.2 Er nutzte sie auch als Tests, um die internationale Stimmungslage zu politischen Themen zu erfahren.3
Generell galt, dass der Kanzler Informationen zu interessanten Themen eher nicht auf kollektiven Veranstaltungen gab, sondern in einem persönlichen Kontakt. Adenauer war für die Bundespressekonferenz nur sehr selten zu gewinnen.4 Umgekehrt heißt dies aber nicht, dass alle Interviews tatsächlich auf ein reales persönliches Gespräch mit Adenauer zurückgingen – dies galt nur für einen Bruchteil.5 Adenauer bevorzugte dennoch Wortlautinterviews, um redaktionelle Eingriffsmöglichkeiten gering zu halten, und sah es nicht gern, wenn außer ihm andere Regierungsmitglieder Interviews gaben.6
Die Rolle des BPA bestand vor allem darin, über die Interviewanfragen zu entscheiden, Interviews vorzubereiten und häufiger auch Interviewtexte inhaltlich auszuformulieren. Wichtige Interviews wurden im offiziellen Bulletin des BPA abgedruckt und so der übrigen Presse und Öffentlichkeit im In- und Ausland verfügbar gemacht. Zwischen 1949 und 1953 wurden etwa zwei Drittel der Interviews mit der Auslandspresse geführt, wobei diese internationale Interviewpolitik häufig auch auf Deutschland zurückstrahlte.7
Teegespräche beim Kanzler
Neben den zahlreichen Interviews waren Informations- und Hintergrundgespräche im kleinen Kreis, die so genannten Teegespräche, ein zentrales Instrument der Medienarbeit. Seit dem Frühjahr 1950 lud Adenauer in seiner Rolle als Bundeskanzler Vertreter der deutschen und ausländischen Presse, je nach politischem Anlass und stets getrennt, zum zwanglosen Gespräch ein.
Die Aufgabe des BPA bestand dabei in der Auswahl und Einladung der Journalisten sowie der Analyse der Presseresonanz und der Suche nach möglichen Indiskretionen in der anschließenden Berichterstattung. Anfangs nahmen maximal 16 Journalisten an den Teegesprächen teil, später wurden die Runden immer weiter ausgeweitet.8