Bundeswehr ab 1956

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr ab 1956

Pressereferat im Verteidigungsministerium unter Strauß (ab Oktober 1956 bis Januar 1963)

Abb.: Generalstreffen in Stuttgart am 9. Juni 1961: Konteradmiral Karl-Adolf Zenker, General Josef Kammhuber, Generalmajor Albert Schnez, Verteidigungsminister Franz-Josef Strauß, General Dr. Hans Speidel und General Friedrich Foertsch (v.l.n.r.). Foto: Zentralbild. Quelle: Bundesarchiv Bild 183-83742-0001, CC-BY-SA / Wikimedia Commons http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/

1956 wurde Franz Josef Strauß neuer Bundesminister für Verteidigung.1 Mit ihm zog „frischer Wind“ in die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. An die damals noch wenigen Presseoffiziere der Bundeswehr appellierte er, eine Atmosphäre des Vertrauens zu den Medienschaffenden aufzubauen. Unter ihm wurde Offenheit und mediengerechte Information zur Grundlage der Zusammenarbeit zwischen Bundeswehr und Medien. Zu den Prämissen der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit gehörte es, zwischen notwendiger Geheimhaltung und berechtigtem Interesse der Bevölkerung abzuwägen.2 Dabei galt es zu berücksichtigen, dass in der entstehenden „Großorganisation Bundeswehr“ Geheimhaltung weniger möglich war als einst im überschaubaren Amt Blank.3

Die Arbeitsbereiche des Pressereferates im BMV umfassten nun Medienbetreuung, Betreuung in- und ausländischer Gäste aus Politik, Militär und Gesellschaft, Beobachtung und Kommentierung der Militärpublizistik sowie die regelmäßige Medienauswertung auch ausländischer Berichte. Bis 1963 entwickelte sich das Referat zu einer Stabsstelle mit 18 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.4

Strauß führte außerdem „Tage der offenen Tür“ ein. 1957 fanden die ersten Informationsreisen für Wort- und Bild-Journalisten statt.5 Ebenfalls 1957 wurden die so genannten „Jugendoffiziere“ eingeführt, um Ansprechpartner für den von Schulen und Öffentlichkeit gewünschten Dialog zu haben.6 Im Januar 1963 musste Verteidigungsminister Strauß als Folge der Spiegel-Affäre zurücktreten, sein Sprecher Schmückle ging ein Jahr später.7

Presseoffiziere und Öffentlichkeitsarbeit

Abb.: 1963 wurde Ludwig Erhard Bundeskanzler, hier auf einer Landtagswahlkampfreise am 11. Juni 1966 in NRW. Foto: Engelbert Reineke. Quelle: Bundesarchiv B 145 Bild-F022484-0016 CC-BY-SA / Wikimedia Commons http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/

Die Arbeit und die Ausbildung der Presseoffiziere wurden ausgebaut.8 In den größeren Standorten der Bundeswehr gab es bis 1960 bereits 40 hauptamtliche Presseoffiziere und mehrere nebenamtliche Presseoffiziere in kleineren Einheiten. Diese unterrichteten und betreuten die lokale Presse und werteten Medienberichte aus. Ebenso seit 1960 fiel die Öffentlichkeitsarbeit in den Aufgabenbereich der Presseoffiziere. Das Pressereferat des BMV, damals noch in Bonn ansässig, hatte den Presseoffizieren gegenüber unmittelbares Weisungsrecht – Veröffentlichungen durften nur in Absprache mit dem Ministerium erfolgen.

Die Vernetzung der Presseoffiziere erfolgte durch den Pressereferenten des Ministeriums. Dieser erstellte den so genannten „Schnellbrief für Presseoffiziere“, dem man eine wöchentliche Stellungnahme zu Gesetzen, gesellschaftspolitischen Debatten und Entwicklungen der Bundeswehr entnehmen konnte.

Seit 1961 wirkte die Bundeswehr zusammen mit den Streitkräften anderer Nationen an der Pressearbeit der Nato mit, um eine transatlantische Pressearbeit zu gewährleisten. Nach dem Weggang von Strauß und Schmückle wurde die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit umorganisiert, zumal 1963 der erste Kanzlerwechsel auch für Veränderung sorgte.9

Der erste Traditionserlass von 1965 gab wichtige Impulse für historische Aspekte der Öffentlichkeitsarbeit.10 In den 1960er-Jahren schritt die innere Öffnung und Liberalisierung der Bundeswehr voran,11 eine grundlegende Reform stieß die sozialliberale Regierung unter Willy Brandt 1970 an.12

Autor(en): C.G.D.S.T.L.

Anmerkungen
Soldiers_briefing_Dr__F_J__Strauss__Federal_Minister_of_Defense__during_field_exercise1960

Abb.: Verteidigungsminister Strauß bei einem Manöver mit Bündnis-Soldaten 1960. Foto: Brigadier general Samuel Lyman Atwood Marshall, United States Army Reserve. Quelle: Wikimedia Commons, Public Domain.

1 Zum Ministerwechsel Hofmann 1999, S. 132ff. und S. 239ff. Zur Biografie von Strauß: http://www.hdg.de/lemo/html/biografien/ StraussFranzJosef/index.html (ggf. auch über:
http://www.dhm.de/lemo/suche/biographiens.html)
Zur Bundeswehr ab 1956 u. a. Molt 2007, S. 579ff.

2 Hofmann 1999, S. 141.

3 Hofmann 1999, S. 156.

4 Hofmann 1999, S. 167f., 202ff., 210ff.

5 Hofmann 1999, S. 225ff.

6 Classens 2006, S. 62.

7 Hofmann 1999, S. 4 und 245ff. Über Schmückle: S. 229ff.

8 Hofmann 1999, S. 169-201.

9 Hofmann 1999, S. 5.

10 http://www.wurzelzieher.de/Geschichte_der_ Bundeswehr/Integration_in_die_NATO/ Traditionsverstaendnis_und_der_erste_Tra.aspx (diese Seite existiert heute nicht mehr bzw. nicht mehr an dieser Stelle)

11 Zum Einfluss der „1968er-Phase“ u. a. Classens 2006, S. 65ff.

12 http://www.wurzelzieher.de/Geschichte_der_ Bundeswehr/Integration_in_die_NATO/Innere_ OEffnung_44_Liberalisierung_und_R.aspx (diese Seite existiert heute nicht mehr bzw. nicht mehr an dieser Stelle)