Kommunikation im Mittelalter

Exklusive Informationssysteme einzelner Sozialverbände bzw. Institutionen und nur punktuell übergreifende Kommunikationsakte

Betrachten wir  Medizinkommunikation im Mittelalter, ist in Rechnung zu stellen, dass vieles, was uns heute selbstverständlich ist, seinerzeit nicht existierte. Weder Öffentlichkeit noch (technische) Medien, weder Journalismus noch Öffentlichkeitsarbeit/PR im heutigen Sinne waren vorhanden. Dies gilt auch noch für das Spätmittelalter, das von der Mitte des 13. Jahrhunderts bis zum Ende des 15. Jahrhunderts dauerte. „Bis zum Beginn der Neuzeit war Öffentlichkeit als repräsentativer Status den feudalen Herrschern vorbehalten […]“ (Baum 1994, S. 84). Wesentliches Element dieser repräsentativen Öffentlichkeit war die institutionalisierte Reisetätigkeit von Herrschern wie Karl dem Großen, des Papstes oder anderer weltlicher und geistlicher Würdenträger.

Einzelne (…)

(…) Institutionen, wie etwa Kanzleien, Fürstenhöfe, Klöster, Universitäten, Zünfte etc., die teilweise selbst Institutionen der Kommunikation waren, gründeten oder besaßen bereits seit dem 11. Jahrhundert ihre eigenen, abgeschlossenen Informationssysteme.

(Pohl 1989, S. 13f.)

Generell erhielt die Kommunikation im Mittelalter „ihren entscheidenden Impuls im 12. Jahrhundert“. „Vermehrte Kontakte zum Orient und Mittelmeerraum, u. a. durch die Kreuzzüge, die Ausweitung des Handels und die zunehmende Bedeutung von Bildung und Wissenschaft ließen einen vermehrten Bedarf an Kommunikation entstehen.“ Seit dem 13. Jahrhundert intensivierten (Fern-)Handel und das entstehende Finanzsystem den nötigen Informationsaustausch. (Pohl 1989, S. 13f.)

Man kann berechtigt davon ausgehen, dass die Informations- und Reisetätigkeit dieser Akteure bzw. ihrer Vertreter oder Mitglieder auch eine – allerdings den Bedingungen der Zeit unterworfene – Infrastruktur zur Übermittlung gesundheitsrelevanter Informationen, wie auch zur gesundheitlichen Versorgung von Reisenden, Boten, Zusammenkünften etc., hervorbrachte.

Ein noch größerer Anstoß für die Schaffung gesundheitlicher Infrastruktur und damit auch von Rezipienten und Sendern gesundheitsbezogener Informationen dürfte aus der realen Präsenz von Krankheit und Tod – insbesondere in pandemischen Situationen – hervorgegangen sein. Die Pest beispielsweise hatte „zum Teil verheerende Folgen für die Bevölkerung. Sterblichkeitsraten von über 50 Prozent waren keine Seltenheit (Bergdolt 2017, 2019). Zu dieser Quote trug vor allem bei, dass ein Wissen um die Übertragungswege dieser Infektionskrankheit nicht vorhanden war.“ (Salatowsky 2022, S. 3; in Reifegerste/Sammer)

In der einfachen Bevölkerung blieb man in der Regel unter sich. Mindestens bis zum Beginn der Neuzeit galt: „Neuigkeiten wurden im Volk vor allem als Erzählungen verbreitet“ (Baum 1994, S. 84). Eine „Vermittlerrolle zwischen verschiedenen Bevölkerungsschichten“ übte vor allem die Kirche aus. „Die Predigt erfuhr zunehmende Aufmerksamkeit, sie erläuterte kirchliche und politische Gedanken.“

Aber auch weltliche Kommunikationsformen unterbrachen die Monotonie des Alltags.

[…] Gaukler, Vaganten (= umherziehende Musikanten und Spielleute – T.L.) und Herolde (= Boten und Fachleute für Wappenkunde, Zeremoniell und Diplomatie – T.L.), volkstümliche Bilderbogen, die Fahrten zu den Märkten und sonstige Ereignisse wie auch die Reisen der Pilger, Wallfahrer, Soldaten und Handwerksburschen ließen aufgrund der wachsenden Mobilität Kommunikationen über das persönliche, örtlich begrenzte Umfeld hinaus zu.

(Pohl 1989, S. 15)

Man mag hinzufügen: Zum „fahrenden Volk“ gehörten auch (Wunder-)Heiler und reisende Ärzte.

Gesundheitsbezogene Infrastruktur und Akteure: Ärzte und Apotheker sowie Obrigkeiten

Personelle Kerne der medizinischen Infrastruktur bildeten Ärzte – im Sinne des damaligen Verständnisses einschließlich Laienmedizinern sowie medizinisch tätigen Handwerkern – und Apotheker.

Hier tat sich Wichtiges im 13. Jahrhundert. Waren beide Tätigkeiten vorher auch verknüpft, so sah (…)

(…) die erste umfassende medizinalpolitische Gesetzgebung Europas“ durch den Stauferkaiser Friedrich II. (1194–1250) „u. a. die Trennung der Berufe Arzt und Apotheker“ vor. „Die Arzneimittelpreise wurden behördlich festgesetzt und die Gründung von Apotheken reglementiert. Der Apotheker hatte wie der Arzt einen Eid zu leisten.

(Salatowsky 2022, S. 6, in Reifegerste/Sammer)

Dies wurde im Edikt von Melfi 1241 verfügt. „So musste zum Beispiel jede Apotheke vom Landesherrn genehmigt werden, Ärzte und Apotheker durften nicht zusammenarbeiten, sondern die Ärzte sollten vielmehr die Apotheken kontrollieren, um Betrügereien und den Verkauf minderwertiger Arzneien zu unterbinden.“

Seinerzeit entstanden in Deutschland „die ersten Apotheken, wie wir sie noch heute kennen“. Dies geschah „in den größeren, aufstrebenden Städten. Sie lagen häufig am Marktplatz, vornehmlich in der Nähe des Rathauses, von wo aus der Stadtrat sie überwachen konnte“ (Rossner 2007 in: https://www.monumente-online.de/de/ausgaben/2007/3/moerser-kraeuter-rezepturen.php ). „Als die ältesten Apotheken in Deutschland gelten die Einrichtungen in Trier (1241)“ bzw. im unter dem Einfluss des Deutschen Ordens und der Hanse stehenden Baltikums „Riga (1357) und Reval (1421)“ (Salatowsky 2022, S. 6, in Reifegerste/Sammer). Die Stadt Riga beispielsweise war „1201 durch Bischof Albert, einem Ministerialen der Erzdiözese Bremen“ im Zuge der Christianisierung und Kolonialisierung gegründet worden (https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/242509/kleine-geschichte-der-baltischen-staaten/).

Die vorstehenden Abschnitte zeigen deutlich den regulierenden, initiativen und kontrollierenden Einfluss verschiedener obrigkeitlicher Akteure: auf der kaiserlich-zentralstaatlichen, der landesherrschaftlichen und der städtisch kommunalen Ebene. Daraus resultierte auch Herrschafts- bzw. Verwaltungskommunikation, medizinische Erlasse etc. mussten den untergebenen, ausführenden Stellen sowie den Ärzten, Apotheken etc. mitgeteilt werden.

Allerdings darf man nicht davon ausgehen, dass die obrigkeitlichen Regulierungs- und Kommunikationsakte immer auch angemessen und ausreichend waren bzw. schnell und flächendeckend umgesetzt wurden. Dies lässt sich beispielsweise an der Vorgeschichte der Ratsapotheke in – immerhin Hansestadt – Wismar erkennen. Dort hatte 1278 der (…)

(…) Kräuterhändler Arnoldus Crudhenere […] in der Krämerstraße seine Apotheke“ eröffnet. Darüber heißt es: „Es handelte sich damals jedoch noch eher um einen Drogen- und Gewürzhandel, dessen medizinische Grundlage sich an den heilkundigen Mönchen der abendländischen Klöster orientierte, doch da es noch sehr wenig Vorschriften gab, war es eher eine Glückssache, ob die in der Apotheke hergestellten ‚Heilmittel‘ auch wirken.

(Geschichte der Ratsapotheke Wismar)

Gesundheitsbezogene Infrastruktur und Akteure: Hospitäler und Heilbäder sowie kirchliche Institutionen

Der Einfluss geistlich-kirchlicher Institutionen zeigt sich besonders bei Vorformen heutiger Krankenhäuser.

„Seit dem frühen Mittelalter waren vor allem Klöster, aber auch Stifte Träger von Hospitälern, die als soziale und medizinische Einrichtungen Arme, Obdachlose, Kranke, Alte, Witwen, Waisen, Schwangere, Siechen, körperlich wie geistig Behinderte, Pilger und Fremde betreuten. Man unterschied hierbei zwischen Versorgungsstationen für vornehme Reisende (Domus hospitalis), solche für Arme, Kranke und Pilger (Hospitale pauperum) sowie dem eigenen Klosterkrankenhaus für die Brüder und Schwestern (Infirmaria). Daneben gab es auch Ritter- und Spitalorden wie jene der Johanniter, Deutschherren und Lazariter.“ (Salatowsky 2022, S. 5; in Reifegerste/Sammer)

Ein konkretes Beispiel stellt der Servitenorden, die „Diener Mariens“ (Ordo Servorum Mariae, OSM), dar.

Die Väter des Servitenordens waren sieben Kaufleute aus Florenz; nachdem sie Geschäft und Familie verlassen hatten, gründeten sie 1233 auf dem Monte Senario den Orden. […] Seit 1299 gab es in Deutschland eine Ordensprovinz. Von Innsbruck aus (seit 1613) wurden 26 Klöster im Gebiet der Donaumonarchie gegründet. 1639 gelang die Gründung in die Kaiserstadt Wien.

(Maria Langegg 2017, S. 5)

Bald waren Klöster und Orden – also v. a. religiöse Akteure – oder wohltätige Stiftungen nicht mehr die einzigen institutionellen Akteure. Kommunale Träger traten hinzu. „Für das 14. und 15. Jahrhundert ist der Beginn einer ‚Hospitalverbürgerlichung‘ (Mandry, 2018, S. 61) anzusetzen mit der Folge, dass die Obrigkeiten – wohl zunächst vor allem in größeren Städten – Hospitäler aus der kirchlichen Trägerschaft übernahmen oder selbst neue begründeten und unterhielten. Ein Beispiel für eine solche städtische Übernahme ist das Hospital Mariae Magdalenae in Gotha. Es wurde 1223 durch die Landgräfin Elisabeth von Thüringen (1207–1231) und ihrem Gemahl Ludwig IV. (1200–1227) begründet und befand sich zu dieser Zeit am Rande der Stadt.“ (Salatowsky 2022, S. 5; in Reifegerste/Sammer)

Hospitale waren allerdings nicht die einzigen gesundheits- bzw. besser gesagt: krankheitsbezogenen Orte im Mittelalter. Dazu gehörten u. a. auch Heilquellen: „Seit der Antike sind die heilenden Kräfte von Wasser- und Trinkkuren, heißen und kalten Quellen sowie mineralischen Bädern bekannt.“ (Salatowsky 2022, S. 6) Anfänge heutiger Kur- und Tourismus-PR (Spa- und Wellness-Tourismus) dürften durchaus bereits im Mittelalter zu finden sein, wenngleich damals nur für eine Elite bzw. für Pilger sowie oral (Mund-zu-Mund-Propaganda, Reisendenerzählungen u. Ä.) oder ggf. als Holzschnittillustration od. Ä.

Kollektive Unterstützungsorganisationen für den Krankheitsfall

Es ist davon auszugehen, dass es in den meisten Sozialverbänden (weltliche Herrschaft bzw. Obrigkeit, Adel bzw. Grundherren, Geistlichkeit, Gelehrtenschaft, städtische Bürgerschaft, Kaufmannsgemeinschaften bzw. Gilden, Handwerkerschaft) körperschaftliche Formen der Vergemeinschaftung und damit zwangsläufig auch regelmäßige Binnenkommunikation gegeben hat. Dazu haben zumindest ansatzweise bzw. für Teile der Mitglieder auch Zugänge zu gesundheitsrelevanten Informationen und Formen kollektiver Unterstützung bei Krankheit gehört. Für die Zünfte der Handwerker verschiedener Gewerbe weiß man das (der Begriff „Arbeiter“ im folgenden Zitat ist allerdings unpassend, weil historisch für das Mittelalter verfrüht):

Die Grundpfeiler des deutschen Krankenversicherungssystems lassen sich bis in das Mittelalter zurückverfolgen (vgl. Simon 2010: 20). Schon zu dieser Zeit existierte eine Versicherungspflicht und die Finanzierung der Krankenversicherung erfolgte über Beiträge in Koppelung an ein Arbeitsverhältnis. Darüber hinaus existierten ein Solidarausgleich zwischen den Mitgliedern und eine Familienversicherung. Die Organisation der Arbeiter in Zünften wirkte sich zudem auf die berufsständischen Krankenkassenarten aus.

(Grünberg 2014, S. 174 f.)

Frühe schriftliche Kommunikate bzw. Texte

Briefe, vervielfältigte schriftliche Texte und Bücher, auch Drucke, kennt die Geschichte schon vor Gutenbergs Erfindung. Johannes Gutenberg in Mainz erfand Mitte des 15. Jahrhunderts nicht das mediale Reproduzieren an sich, sondern „nur“ den Druck mit beweglichen Lettern und ermöglichte damit den eigentlichen Übergang „vom individuell-manuellen zum mechanisierten Massenschriftwechsel“ (Pohl 1989, S. 15).

Vor Gutenberg wurden Schriften „handschriftlich oder in Holzschnittdruck“ verbreitet, beispielsweise teilweise schon im 13. Jahrhundert verschiedene „Rechts-, Heil-, Ritter- und Laienspiegel“, also frühe Rechts-, Erbauungsliteratur und Standeslehre (Pohl 1989, S. 15).

Seit der Antike ist u. a. die literarische Form des Traktats bekannt. Darin werden Ideen, Einschätzungen oder Ratschläge möglichst verständlich und überzeugend dargestellt (https://de.wikipedia.org/wiki/Traktat ). Diese gutachterliche bzw. persuasive Form kann zu verschiedensten (religiösen, philosophischen etc.), auch lebensweltlichen Zwecken – darunter zur Abwehr bzw. Heilung von Krankheiten – eingesetzt werden.

Frühe Beispiele für Medieninhalte, die Risiken und Schutzmaßnahmen nach damaligem Wissensstand aufzeigten und in der Verbreitung von Informationen und der Anwendung von Gegenmaßnahmen durchaus Einfluss nehmen konnten, finden sich zu Zeiten der Pest.

(Reifegerste/Wagner 2021, S. 6; in Reifegerste/Sammer)

„Schon kurz nach der großen Pestwelle, die den deutschsprachigen Raum in den Jahren 1348/49 erreichte, entstanden die ersten Pesttraktate, die sich mit der neuen Krankheit auseinandersetzen.“ (https://wissenausdemmittelalter.com/2019/07/05/deutschsprachige-pesttraktate-volkssprachliche-ansatze-zu-erklarung-der-krankheit-prophylaxe-und-therapie/ )

„[V]erschiedene Autoritäten“ – wie Mediziner, Kirchenleute, Stadtobrigkeiten oder Gelehrte – kommunizierten darin „über die Ursachen und Präventionsmöglichkeiten der Seuche“. „Allein in den ersten Jahren nach 1348 sind etwa 25 Pesttraktate von Ärzten überliefert […], bis ins 18. Jahrhundert hinein wurden hunderte solcher Gesundheitsregimen (regimen sanitatis) veröffentlicht.“ (Reifegerste/Wagner 2021, S. 4,  in Reifegerste/Sammer) „Eine Inhaltsanalyse der (von den damaligen Medizinern veröffentlichten) Pesttraktakte zeigt, dass die Pest vor allem ‚humoral-pathologisch‘ erklärt wurde. Megenberg beschrieb, dass die Krankheit von der verunreinigten Luft sowie der Demoralisierung verursacht werde (Bergdolt, 2006).“ (Reifegerste/Wagner 2021, S. 6; in Reifegerste/Sammer)

Aus dem XV. Jahrhundert“ seien „allein rund 150 Drucke“ von „Pestbüchern und Pestblättern“ erhalten. „Außer Pestpredigten und Gebeten finden sich darauf vor allem Verhaltensmaßregeln gesundheitlicher Art. […] Die mittelalterliche Auffassung der Pest als Gottesgericht steht neben den vom neuzeitlichen Geist diktierten Maßregeln zu hygienisch richtigem Verhalten. Schließlich fehlt in diesen Pestblättern und Pestbüchern auch die gesundheitspolitische Komponente nicht. ‚Pestordnung‘ nennen sich manche dieser Veröffentlichungen im Titelblatt, die im Text gesundheitspolizeiliche Maßnahmen in bunter Mischung mit individuellen medizinischen Ratschlägen und gegebenenfalls auch recht ausführlichen Gebetsformeln bringen.

(Deneke 1969, S. 17)

Ein wissenschaftlich bereits diskutiertes Beispiel für Pesttraktate – zeitlich schon aus der Gutenberg-Ära – stammt vom Arzt Thomas Reinesius, der in seinem Ratgeber zur Pest ‚Consilium pestis prophylacticum. Rath oder Bericht was bei Pestseuche zu thun und zu lassen sey‘ (Reinesius 1625, S. 5) verschiedene Maßnahmen zur Prävention der Pest empfiehlt“. (Reifegerste/Wagner 2021, S. 4, in Reifegerste/Sammer; vgl. auch Salatowsky 2020).

Schriftliche Kommunikate innerhalb eines frühen Medienverbundes im Aufschwung

Allerdings sind solche schriftlichen Traktate nicht im luftleeren Raum zu denken, die darin enthaltenen Informationen und Einschätzungen mussten irgendwo herkommen und aufbereitet werden.

Ein frühes Beispiel für die Informationsdissemination zu einer Pandemie vermittels medialer Kanäle beschreibt Georg Modestin (2016) für die Zeiten der Pest um das Jahr 1348 herum: So fungierte beispielsweise die Stadt Straßburg ‚als überregionales Nachrichtenzentrum (…), das gerade in Krisenzeiten eine weitgespannte Kommunikationstätigkeit entwickelte‘ (S. 290) und mittels zahlreicher Briefe und Missive (d. h. offizieller Schreiben) Erkundigungen über pandemische Entwicklungen einholte und versandte.

(Reifegerste/Wagner 2021, S. 7; in Reifegerste/Sammer)

Und generell gilt für jene Epoche: „Medien der interpersonalen Kommunikation prägten den pandemiebezogenen Informationsfluss im Mittelalter.“ (Reifegerste/Wagner 2021, S. 7; in Reifegerste/Sammer)

Dass dennoch im Mittelalter die Rolle schriftlicher Medien für die Medizinkommunikation zunahm, lag wesentlich am Universitätswesen: „Seit Jahrhunderten war die gelehrte Schulmedizin, die neben der Jurisprudenz und Theologie zu den drei oberen Fakultäten gehörte, fest in den Händen der Professoren an den Universitäten. Zugang erhielt man zu diesen Fakultäten erst nach Abschluss eines Studiums der Philosophie (Magister Artium), die die methodische und begriffliche Grundlage des damaligen aristotelisch geprägten Wissens bildete. […] Die Bewahrung des antiken griechisch-römischen Wissens der Medizin (Renaissance im Sinne von Wiedergeburt) und die Erneuerung dieses Wissens (durch Autopsie, eigene Untersuchungen und Experimente) sind hierbei zwei Seiten ein und derselben Medaille.

Die Wiederentdeckung der antiken Medizin führte zu einer ausgeprägten Buchgelehrsamkeit.“ (Salatowsky 2022, S. 8; in Reifegerste/Sammer)

 

Autor(en): T.L.