Neue Gattungen von Druckerzeugnissen um das 16. Jahrhundert und beginnende Öffentlichkeit

Flugblatt und Flugschrift als nichtperiodische Druckerzeugnisse

Im 15./16. Jahrhundert gab es schon eine „Vielzahl von Druckwerken“. „Wirklich neu waren Flugschriften, Flugblätter und ‚Neue Zeitungen‘“ (Stöber 2025, S. 40). Zunächst zu Flugblatt und Flugschrift.

Bevor als eine Folge der Gutenbergschen Erfindung die periodische Presse aufkam, entstand noch vor der Reformation „neben dem traditionellen Buch eine neue Gattung von Druckerzeugnissen: das Flugblatt und die Flugschrift“. Diese „transportierten nicht mehr – wie Bücher – Wissen, sondern verbreiteten Meinungen und Überzeugungen“ (Schiewe 2004, S. 111, 113)

Häufig illustriert und mit fließenden Grenzen waren beide Medien orientiert auf (…)

(…) raschen, billigen Absatz, Erregung der Neugier, Aufspürung merkwürdiger Ereignisse, Erörterung von Tagesfragen oder auf kurze, gemeinverständliche Belehrung über hundert Nützlichkeiten des Lebens, etwa die Kunst des Briefschreibens, des Umgangs mit hochgestellten Persönlichkeiten, des guten Benehmens bei Tisch, des Tanzes […], Kochens […] oder die Kenntnis  der Krankheiten und ihrer Heilmittel, […] des Kartenspiels […] usw.

(Schiewe 2004, S. 111)

Zu einem Massenkommunikationsmittel wurden Flugblatt und Flugschrift durch die Reformation ab 1517. „Ebenso im Zusammenhang mit den konfessionellen Auseinandersetzung des 16. Jahrhunderts ist die Entwicklung des Flugblattes von einem ‚Special Event‘-Medium zu einem Alltagsmedium festzustellen“ (Oggolder in Karmasin/Oggolder 2026, S. 56).

Schnell nutzten beide Medien die deutsche Sprache, volkstümliche Gestaltung und adressierten den ungelehrten „gemeinen Mann“. „Die kollektive Rezeption dieser Schriften vermochte es auch, den ‚gemeinen Mann‘ in einer Meinung zur Masse zusammenzuschließen.“ (Schiewe 2004, S. 113, 115) Damit wurde die Reformation wesentlich befördert, allerdings benutzten auch deren Gegner diese neuen Medien.

Auch militärische Großbedrohungen und Auseinandersetzungen bildeten wichtige Aufkommensfelder für die Flugpublizistik. Dies galt nicht nur für den interkonfessionellen Dreißigjährigen Krieg im 17. Jahrhundert. Die immer wieder drohende „Türkengefahr“ vom 15. bis 17. Jahrhundert aufgrund der Expansionsbestrebungen des Osmanischen Reiches, vor allem der „Lange Türkenkrieg“ von 1593 bis zum habsburgisch-osmanischen Frieden 1606 sowie Belagerung und Entsatz der Stadt Wien im September 1683, brachte sogar die eigene Sparte der (eigentlich antitürkischen) „Türkendrucke“ hervor. (Karmasin/Oggolder 2016, S. 14, 53, 64ff.)

Anfänge öffentlicher sowie konkurrierender Meinungsbildung und -beeinflussung

Der Trend einer zunehmenden Öffentlichkeit – trotz repressiver Zwischenperioden – ließ sich nicht aufhalten. Historisch gesehen hatte die bleierne Stabilität menschlichen Denkens über Gott, Welt und Gesellschaft im Mittelalter ab der ersten Jahrtausendwende einen ersten Riss bekommen durch die Auseinandersetzung zwischen kirchlicher und weltlicher Macht, zwischen Papst- und Kaisertum (vgl. z.B. Kunczik 1997, S. 20ff.).

War diese eindimensionale Aufspaltung als Investiturstreit von der damaligen Elite noch beherrsch- und erklärbar sowie im Interessenausgleich der Mächtigen lösbar, so galt dies für die beginnende Kirchenspaltung ab dem 14. Jahrhundert und insbesondere in der Reformationszeit nicht mehr in Gänze. Die Widerworte der konfessionellen Auseinandersetzungen und damit das Hinterfragen und Aufbrechen einstmals monolithischer Gewissheiten, der beginnende Meinungspluralismus, waren nicht mehr aus der Welt zu schaffen.

Erschwerend kam hinzu, dass die zunächst rein theologischen Auslegungs- und Meinungsverschiedenheiten nicht durch Überprüfen an der Wirklichkeit entscheidbar waren. Gerade der Protestantismus „zeichnete sich […] durch große Differenzen aus. Deshalb schlug das Pendel auch zu weit aus. „Unter den Intellektuellen machte sich ein Klima der Skepsis breit: Sie zweifelten an der Möglichkeit gesicherter Erkenntnisse und misstrauten jeglicher Form der Autorität.“ (Altena/van Lente 2009, S. 37 und 39)

Alles in allem stellten Flugblatt und Flugschrift öffentliche Meinung(en) und überhaupt Öffentlichkeit her – seinerzeit situativ weit mehr, als das dann die periodische Presse in ihrer Anfangszeit konnte und wollte. Die (nichtperiodische) Druck- und Flugschriftenpublizistik war also deutlich meinungsfreudiger als die ihr historisch folgende frühe (periodische) Presse. Doch die der Reformation folgenden Religionskriege in Europa zeigen die zunehmende Verweltlichung und Politisierung der Streitgegenstände an, aber auch die „mörderische Anarchie“ ausufernder geistiger Fehden (Altena/van Lente 2009, S. 39).

Die Feudalherren hatten aus jenen Auseinandersetzungen von Reformation und Gegenreformation die Lehre gezogen, in denen erstmals vereinzelt klerikale Autoren mit ihren Pamphleten gegen vorherrschende Weltdeutungen antraten, also ‚öffentlich‘ meinungsbildend wirken wollten. Das Monopol für politische Informationen lag immer noch in den Händen einer öffentlichen Staatsgewalt […].

(Baum 1994, S. 84f.)

Eine Entschärfung der Sprengkraft theologisch-religiöser Streitfragen trat durch die um sich greifende Einsicht von der Religion als Privatangelegenheit, durch die Idee der Religionsfreiheit ein. Damit – wir greifen jetzt historisch vor – sollte sich schließlich das Feld der Auseinandersetzung und Öffentlichkeit auf die Politik verlagern. Der Weg führte von der Religionsfreiheit zu den grundlegenden Bürgerrechten. (Altena/van Lente 2009, S. 39)

Nichtperiodische Druckschriften und anlassbezogene „Neue Zeitungen“ auch zu medizinischen Themen

Obwohl die Themen Theologie bzw. schließlich Politik und Medizin kaum vergleichbar sind, lässt sich die Rolle der Flug- bzw. Druckschriftenpublizistik als These auch auf die Öffentlichkeit für medizinische Fragen und Inhalte übertragen.

„Die spirituelle und regionale Standortbindung des mittelalterlichen Menschen weicht dem neuen Lebensgefühl einer Weltoffenheit und Wissensöffentlichkeit, in das die medizinische Thematik von Beginn an einbezogen ist. (…)“

(…) Aus diesen Gründen entsteht eine für die allgemeine Öffentlichkeit bestimmte medizinische Publizistik eigengesetzlich neben den nur für die ärztliche Öffentlichkeit bestimmten Publikationen. Wiewohl Verfasser oder Nachrichtenquelle medizinischer Allgemeinpublizistik dieser Zeit vielfach Ärzte sind, besteht doch von Beginn der Neuzeit bis zum Anfang des XVIII. Jahrhunderts praktisch nur ein mittelbarer Zusammenhang zwischen der bis dahin ausschließlich in Buchveröffentlichungen vorliegenden Fachliteratur und der medizinischen Publizistik für Laien, wie sie in den Vorläufern des Zeitungs- und Zeitschriftenwesens ihren Niederschlag findet.

(Deneke 1969, S. 15)

Ratgeberschriften für das Volk

Es „entwickelte sich in Deutschland seit dem 16. Jahrhundert eine Ratgeberliteratur in ‚einfacher Sprache‘. In gewisser Weise handelte es sich um eine Art Volksaufklärung, sollte dem Lesepublikum, Männer wie Frauen, doch ein Mittel an die Hand gegeben werden, selbst Verantwortung für die eigene Lebensführung und die Behandlung von Krankheiten zu übernehmen. So hat der aus Thüringen stammende Martin Pansa (1580–1626), der heute als Reformator des Apothekenwesens, früher Arbeitsmediziner und verantwortungsvoller Sozialmediziner gewürdigt wird, mehrere Schriften in deutscher Sprache zu Zipperlein (1613), Nieren- und Blasensteinen (1615), Fieber (1618), Schwindsucht (1618) und schließlich 1625 einen ‚Köstliche(n) und heilsame(n) Extract der gantzen Artzneykunst‘ veröffentlicht.“ (Salatowsky 2022, S. 12; in Reifegerste/Sammer)

Schon eher, im 15. Jahrhundert, entwickelte sich ein Bestand und damit eine „Öffentlichkeit“ gedruckter heilkundlicher „Volksbücher“, „die davor Jahrhunderte in klösterlichen Handschriftensammlungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit aufbewahrt worden waren“. Unter den Bezeichnungen (…)

(…) Herbarium“ (erster Druck 1483 in Rom), „Herbarius“ (1484 in Mainz), „Hortus sanitatis“ oder „Garten der Gesundheit“ („des Frankfurter Stadtarztes Johann Wonnecke von Cube 1485 ebenfalls in Mainz“) erfreuten sie sich „großer Beliebtheit“ und vermittelten „vor allem Kenntnisse über die medizinische Wirkung von Pflanzen, tierischen Stoffen und Mineralien.

(Deneke 1969, S. 17f.)

Anlassbezogene „Neue Zeitungen“

Für eine aktuell-ereignisorientierte Publizität gesundheitsrelevanter Themen – aber im Zusammenhang mit sensationellen und dramatischen Vorgängen (Seuchenausbrüche, Wunderheilungen u. Ä.) – haben die nichtperiodischen „Neuen Zeitungen“ eine wichtige Rolle gespielt. Häufig sind sie aus „Einblattdrucken“ hervorgegangen (Deneke 1969, S. 19). Mit aus Briefzugaben hervorgegangenen Vorläufern schon ab 1480 und nach dem Bedeutungsverlust der Flugschrift nach 1525 stellten sie wichtige Verbreiter von Ereigniswissen – mit Wahrheitsanspruch – auf allen möglichen Themenfeldern dar, pro Ausgabe aber anlassbezogen und monothematisch. (Schiewe 2004, S. 118ff.) Sie dürfen nicht mit den (eigentlichen, periodischen) „Zeitungen“ (also Tages- und Wochenzeitungen) verwechselt werden.

Mit den nichtperiodischen und thematisch nichtuniversellen „Neuen Zeitungen“ des 16. und 17. Jahrhunderts in ihrer Relevanz für die Gesundheitskommunikation beschäftigt sich detailreich Deneke (1969, S. 36-60). Sie können als „Übergangserscheinungen“ zwischen den älteren Einblattdrucken und Flugschriften und den moderneren Zeitungen des 17. Jahrhunderts aufgefasst werden (S. 37).

Bildpublizistik

Im Zusammenhang mit den „Neuen Zeitungen“ müssen auch die (nichtperiodischen, anlassbezogenen) „Bilderbogen“ bzw. „Bilderblätter“ erwähnt werden, die als „illustrierte Flugblätter“ der „Sensationslust des Publikums“ und „dem Geldbeutel der Drucker“ dienten. Bildhafte Inhalte waren „[w]underbare Ereignisse, Himmelserscheinungen, naturwissenschaftliche Kuriositäten, Zauberei und Hexenwahn, Gottesgerichte und Gotteswunder“ und eben auch „Wunderheilungen und Missgeburten“. (Deneke 1969, S. 18f.)

Die Buchdrucker – in der Regel also medizinische Laien – prägten insbesondere mit ihren Illustrationen wesentlich die medizinanatomischen Vorstellungen der Bevölkerung. Michael Buchführer aus Erfurt beispielsweise brachte 1522/23 einen Einblattdruck heraus, der „das Bild eines so genannten ‚Mönchskalbes‘, ein Geschöpf mit halb menschlichen, halb tierischen Zügen“, zeigt. Glaubwürdigkeit wird dadurch erhöht, indem im Text die „anatomischen Einzelheiten“ und die „Umstände des Fundes“ beschrieben (einschließlich Nennung eines Urhebers) werden: „Diesse Graussame und Erschreckliche Figur ist zu Freyburgk inn Meyssen inn einer Kuw gefunden: als der Fleischhawber die selbig hat geschlachtet.“ (Bäder/Cattani 1993, S. 100)

Die „medizinische Sensationsmache“ stößt allerdings schon damals auch auf Widerstand. So bringt Deneke (S. 20f.) Beispiele u.a. aus dem Nürnberger Rat von 1549 bis 1551, wie die „Obrigkeit […] die Herstellung, den Nachdruck und den Vertrieb von Bildblättern mit besonders abgeschmackter medizinischer Sensationsmache strikt“ verbietet.

Eine allein kritische Betrachtung solcher medizinischer Bild- und Körperpublizistik ist allerdings nicht gerechtfertigt. In ihr spiegelt sich auch das (…)

(…) naiv neugierige, mit dem mittelalterlichen Tabu […] in naturwissenschaftlicher Ehrfurchtslosigkeit brechende Interesse“ am menschlichen Körper wider. Besonders zeigte sich dieses im „öffentliche[n] Interesse an der Anatomie“. Dieses wiederum traf auf Kompetenz- und Selbstdarstellungsbedürfnisse der Ärzte. Beides fand in „Schauveranstaltungen der Anatomen“ im 16. Jahrhundert zusammen. „Im ‚Anatomischen Theater’ wird die ‚Zergliederungskunst‘ in aller Öffentlichkeit unter Reservierung von Ehrenplätzen für die Honoratioren vorgeführt.

(Deneke 1969, S. 24 und 33)

Kalenderdrucke als jährlich-periodische Druckerzeugnisse anfangs bevorzugt mit medizinischen Themen

Kalender sind „eine der ältesten Formen periodisch erschienener Druckwerke“ – zur „periodischen Presse“ werden sie aber üblicherweise nicht gezählt. Und die Verbreitung von Kalendern war von Anfang an weniger bildungsmäßig eingeschränkt als bei anderen Druckerzeugnissen. Zunächst stellten sie „für den größten Teil der Bevölkerung neben Bibel und Gebetbuch oft den einzigen, permanent erworbenen Lesestoff dar[…]“  und wurden „seit der Mitte des 16. Jahrhunderts massenhaft produziert und verbreitet“. Solche Kalender erschienen an vielen Orten, so in Nürnberg oder Augsburg sowie in kleineren Städten wie Krems oder Rastatt.

Josef Seethaler zum Beispiel untersuchte die Wiener Kalenderproduktion von 1462 bis 1700 und konnte dabei „630 Exemplare von 453 verschiedenen Ausgaben“ identifizieren. Im 18. Jahrhundert setzte dann auch „ein zielgruppenorientierter Ausdifferenzierungsprozess ein, der bestimmte (beispielsweise ständisch oder berufsmäßig identifizierbare) Rezipientengruppen mit eigenen Kalendern und Almanachen versorgte“. (Seethaler in Karmasin/Oggolder 2016, S. 73-75, 81-83)

Der Anlass für die Erzeugung der ersten, zur Gattung ‚Kalender‘ gehörenden Drucke lag […] nicht, wie man annehmen möchte, in der zeitlichen Orientierungsfunktion (dafür waren schließlich seit Jahrhunderten Stab- und Holzkalender sowie handschriftlich wie xylographisch vervielfältigte Kalendarien in Gebrauch), sondern in der medizinischen Informationsfunktion (vgl. auch Bialas und Grössing 1993, S. 442ff; Moser 1988, S. 6ff.).

(Seethaler in Karmasin/Oggolder 2016, S. 76)

Wie ist diese Bedeutung der Kalender für die damalige Medizinkommunikation zu erklären? Sie liegt in der Verknüpfung von Therapien mit der heute als pseudowissenschaftlich geltenden Astrologie:

Die medizinischen Behandlungsmethoden der in der beginnenden Neuzeit zu weiter Anerkennung gelangten Iatromathematik (wie Aderlassen, Schröpfen und Purgieren) waren einem strikten Regelsystem unterworfen, als deren wichtigste Komponente der Lauf des Mondes durch den Tierkreis galt. Die erste sich herausbildende Form ist daher der ursprünglich an Ärzte, Barbiere und Bader adressierte Aderlasskalender, ein Einblattdruck im Folio-Format, der nur die wichtigsten Daten zur Bestimmung des jeweiligen Jahres, aber die detaillierten Mondzeiten und Aderlassvorschriften enthält.

(Seethaler in Karmasin/Oggolder 2016, S. 76)

Dies lässt sich auch mediengeschichtlich konkret nachvollziehen: „Neben einem wahrscheinlich und zufällig 1462 in Wien entstandenen Druck von Ulrich Han (vgl. Borsa 1965; Seethaler 1982, S. 45ff.) nahm der erste bedeutende Wiener Drucker, Johannes Winterburger, mit Beginn seiner Druckertätigkeit sofort die Produktion von Aderlasskalendern auf, von denen er ab 1493 mit hoher Wahrscheinlichkeit jährlich eine lateinische und eine deutsche Version auf den Markt brachte.“

Beim Aderlasskalender blieb es aber nicht, es folgten weitere medizinische Anweisungen sowie auch darüber hinausgehende astrologische Prognosen und Tipps: „Bald schon, und zwar zu Beginn des 16. Jahrhunderts, kamen neue Inhalte dazu (wie z. B. auserwählte Tage zum Einnehmen von Medikamenten, zum Baden, Säen und Pflanzen, aber auch bereits Prognosen über die zu erwartenden Witterungen), so dass es nur noch eine Frage der Zeit war, all diese Informationen einem alle Tage des Jahres umfassenden Kalendarium zuzuordnen.“ Dazu gehörten „Prophezeiungen über Krieg und Frieden, aber auch über Belange des alltäglichen Lebens – von den günstigsten Zeitpunkten fürs Haareschneiden bis zu empfohlenen Verhaltensweisen für Heiratswillige (also das auch heute gängige esoterische Repertoire)“. (Seethaler in Karmasin/Oggolder 2016, S. 76f.)

Weitere Entwicklung der Kalenderdrucke

Diese astrologische Ausrichtung und  medizinisch-astrologische Verknüpfung in den Kalendern fand allerdings ihr Ende, als „in Österreich per kaiserlich-königlichem Dekret vom 2. Oktober 1754 entsprechend dem Geist der Aufklärung astrologische Inhalte aus den Kalendern verbannt wurden“. (Seethaler in Karmasin/Oggolder 2016, S. 76)

Nun traten andere Inhalte in den Vordergrund, die sich schon vorher entwickelt hatten:

Zur Orientierungs- und Informationsfunktion des Kalenders (die im 17. Jahrhundert durch Verzeichnisse der Jahrmärkte, Ordinari-Posten, Sperrstunden der Stadttore etc. weiter ausgebaut werden sollte) sowie zu seiner Verwendung als Notizbuch trat schließlich im letzten Quartal des 16. Jahrhunderts – in Wien jedoch erst ab 1625 nachweisbar – eine Art Unterhaltungs- und Bildungsfunktion in Form der Aufnahme historischer Beiträge in den Kalenderinhalt. […]. Das Themenspektrum erweiterte sich, die Entwicklung zu den moralisch-lehrhaften Kalendergeschichten des 18. und 19. Jahrhunderts kündigte sich an.

(Seethaler in Karmasin/Oggolder 2016, S. 78)

Die – schauen wir auf den Anfang der Kalenderdrucke zurück – „medizinisch-astrologischen“ Aderlasskalender und Almanache – wie auch die „Pestblätter und Pestbücher“ sowie die „für Laien bestimmten volksmedizinischen Bücher und Broschüren“ – zeigen, „dass mit dieser aufklärenden, gesundheitspädagogischen Publizistik gute Geschäfte gemacht werden konnten“ (Deneke 1969, S. 18).

Autor(en): T.L.