Lebensweg

Lebensweg: Vom Schuhmacher zum Mitbegründer des Public-Relations-Berufsstandes

Jugend- und Reisejahre sowie bei Dr. Hiller in Solingen

Hundhausen wurde am 1. November 1893 als Sohn eines Kolonialwarenhändlers in Gelsenkirchen-Ückendorf geboren und starb am 15. April 1977 in Essen. In seiner Jugend absolvierte er eine Schuhmacherlehre, diente als Soldat im 1. Weltkrieg und arbeitete im Büro bei der Firma Krupp. Dabei holte er das Abitur als Externer an der Krupp-Oberrealschule in Essen nach. Schließlich immatrikulierte sich Hundhausen 1921 für das betriebswirtschaftliche Studium an der Universität Köln. Hier lernte er Eugen Schmalenbach (1873-1955), der als Begründer der modernen Betriebswirtschaftslehre gilt, kennen. Hundhausens wissenschaftliche Arbeiten waren von Schmalenbachs pragmatischen, aber durchaus auch gesellschaftsorientierten Theorien geprägt (vgl. u. a. Szyszka 1997, S. 234).

Nach Abschluss seines Studiums zum Diplom-Kaufmann und der Promotion zum Dr. rer. pol. 1925 verbrachte Hundhausen fünf Jahre in den USA, wo er im Bankgewerbe arbeitete. Hier eignete er sich nicht nur Kenntnisse im Finanzwesen an, sondern kam auch zum ersten Mal mit Methoden der Public Relations in Berührung.1 Bereits 1931 kehrte er wieder nach Deutschland zurück, um in der Dr. Hillers AG in Solingen als Verkaufsdirektor zu arbeiten.2 Schon dort begann er, in den internen und externen Umfeldbeziehungen mit den Mitteln der Public Relations zu wirken, die ihn während seines Aufenthalts in Amerika sehr geprägt hatten.

Wissenschaft und Krupp

Sein anschließender Lebensweg war der stetigen Verknüpfung von Praxis und Wissenschaft gewidmet. In den 30er-Jahren erhielt Hundhausen einen Lehrauftrag an der Universität Frankfurt, im Jahr 1941 habilitierte er sich mit einer Arbeit über die „Planung der industriellen Absatzwirtschaft“ und im folgenden Jahr wurde er zum Privatdozenten ernannt. Nachdem er drei Semester lang lehrte, wechselte er 1944 wieder zum Krupp-Konzern, wo er Verkaufsdirektor bei der Krupp-Tochter WIDIA3 wurde. Zwischen 1933 und 1945 vollzog sich seine berufliche Tätigkeit unter den gesellschaftspolitischen und ökonomischen Bedingungen von NS-Diktatur und Kriegswirtschaft.4 Mitte der 1950er-Jahre wechselte er in das Kruppsche Stammhaus (siehe gesonderten Abschnitt).

Schon 1948 nahm Hundhausen seine Lehrtätigkeit als Privatdozent wieder auf. Fünf Jahre später habilitierte er sich an die Universität Aachen um, wo er 1955 zum außerplanmäßigen Professor berufen wurde. 1961 erhielt Hundhausen eine Honorarprofessur für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere für Absatzwirtschaft, Wirtschaftswerbung und Public Relations (vgl. u. a. Szyszka 1997, S. 235).

Hundhausen ließ sich 1963 pensionieren, widmete sich aber über die Jahre hinaus weiterhin seiner Schreibtätigkeit. In der Liste seiner Monographien finden sich neben vier PR-Monografien (1951-1969) fünf Veröffentlichungen zur Werbung (1950-1971) sowie sein letztes Werk zur Propaganda, an dem er ganze zehn Jahre arbeitete.

Mit Leben und Werk Carl Hundhausens beschäftigt sich eine biografisch orientierte Dissertation (Lehming 1997).

Autor(en): A.M.T.L.

Anmerkungen
Schneidplaettchen_aus_Widia_fuer_Drehmaschinen_Wikimedia_Commons_CC_BY-SA_3.0

Abb.: Schneidblättchen aus Widia für Drehmaschinen. Aus: Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0 http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/

1 Den Begriff „Public Relations“ hörte Hundhausen nach eigener Aussage allerdings erst 1937 zum ersten Mal (Lehming 1997, S. 31).

2 Das Unternehmen stellte Pfefferminz-Bonbons als Markenartikel her. Vgl. Szyszka 1997, S. 235, und Heinelt 2003, S. 28ff. Fotos von Warenautomaten der Firma Dr. Hillers aus den 1960er-Jahren, u.a. mit den berühmten Pfefferminz-Bonbons, siehe unter: Automatenmuseum Sammlung Domberg in Hüllhorst http://www.automatenmuseum.com

3 Der Firmenname bedeutet laut Heinelt (2003, S. 64) (hart) „wie Diamant“. Dabei handelt es sich um einen speziellen Verbundwerkstoff aus Hartmetall, den beispielsweise auch heutige Heimwerker als „Widia-Bohrer“ für Beton kennen.

4 Hundhausen trat 1933/34 in die NSDAP ein und war u. a. Mitglied des Werberates der deutschen Wirtschaft. Der Entnazifizierungsausschuss nach 1945 bescheinigte ihm zwar, sich nicht im nationalsozialistischen Sinne verhalten oder betätigt zu haben, dennoch gibt es auch kritische Hinweise zu Hundhausens Tätigkeit (Heinelt 2003, S. 31, 53, 65). Vgl. auch Lehming 1997, S. 26ff., die resümiert: „Fest steht jedenfalls, dass die psychologischen Mechanismen der Massenbeeinflussung den Werbefachmann Carl Hundhausen nicht nur in jüngeren Jahren am Nationalsozialismus, sondern auch an der katholischen Kirche zeitlebens faszinierten (…)“ (S. 30).