Siemens

Kurzporträt der Firma Siemens und kommunikative Situation

Abb.: Briefkopf der Firma Siemens & Halske (1847 oder 1856). Quelle: Wikimedia Commons (gemeinfrei).

Für die Geschichte unternehmerischer Public Relations in Deutschland ist die Firmenhistorie von Siemens ein besonders interessantes Beispiel, da es sich bei der Elektroindustrie Mitte des 19. Jahrhunderts um eine völlig neuartige, wachstumsintensive und zukunftsträchtige Branche handelte (vgl. Zipfel 1997a, S. 244, und 1997b, S. 3). Diese Branche – ähnlich die Chemieindustrie – stellte eben nicht eine bloße Modernisierung von handwerklichen Tätigkeiten und Waren dar, die den Menschen seit dem Mittelalter vertraut waren. Deshalb generierten diese revolutionären Wirtschaftszweige neue Selbstdarstellungs- und Mitteilungsbedürfnisse, zugleich richteten sich auf sie viele Fragen aus den sich vor allem nach 1870 entwickelnden Massenpublika und differenzierenden Teilöffentlichkeiten (Bentele/Liebert 2005, S. 234; Liebert 2003, S. 13-29).

Unternehmen wie Siemens belegen, dass es bereits sehr früh umfangreiche Tätigkeiten im Bereich der wirtschaftlichen Öffentlichkeitsarbeit gab. Bei Siemens gingen diese über die Erweckung und Pflege von Aufmerksamkeit („publicity“) und damit über werbenahe Methoden deutlich hinaus. Denn die Industrialisierung schuf die Notwendigkeit, die Bevölkerung von den Vorteilen neuer Technik und Erfindungen zu überzeugen. Der Firmengründer Werner von Siemens sah sich mit der Situation konfrontiert, dass die Menschen anfangs den elektrischen Strom mit großer Skepsis und Ängsten betrachteten.

Die Einführung neuer, bisher nicht gekannter Waren und Dienstleistungen veränderte z.T. die Lebensweise breiter Bevölkerungskreise grundlegend, sodass bloß auf Absatz gerichtete Aktivitäten erfolglos bleiben mussten, wenn sie nicht mit grundsätzlicher Aufklärung über die neuen individuellen und gesellschaftlichen Möglichkeiten einhergingen.

(Bentele/Liebert 2005, S. 232)

Abb.: „Elektromote“, der erste Oberleitungsbus (O-Bus) der Welt in Berlin, 1882. Quelle: Wikimedia Commons (gemeinfrei).

Die zunächst zurückhaltende Einstellung von Bevölkerung und Behörden sowie die notwendige Vertrauensbildung zu den eigenen Mitarbeitern erforderten daher den Einsatz vielfältiger Maßnahmen, die wir heute der Unternehmenskommunikation in Gestalt externer und interner Public Relations zuschreiben.

Im Zeitraum von 1847 bis 1941 lenkten Werner von Siemens, sein Bruder Carl sowie seine Söhne Wilhelm, Arnold und Carl Friedrich die Geschicke des Unternehmens. Ein jeder verfolgte dabei eine durchaus spezifische Kommunikationsstrategie, in Abhängigkeit politischer, wirtschaftlicher und sozialer Umstände sowie auch mit eigener Handschrift. Die Kommunikationsgeschichte von Siemens ist von der Forschung vergleichsweise gut aufgearbeitet (insbesondere Zipfel 1997b, vgl. auch Kunczik 1997, S. 231-236)1.

Die Siemens AG, mit Firmensitz in Berlin und München (Konzernzentrale), zählt heute mit 1.640 Standorten zu den weltweit größten Firmen der Elektro- und Elektronikindustrie. 360.000 Mitarbeiter entwickeln und implementieren in nahezu 190 Regionen Produkte, Anlagen und Dienstleistungen. Sie erwirtschafteten im Geschäftsjahr 2011 einen Umsatz von ca. 74 Milliarden Euro.2

Autor(en): J.H.T.L.

Anmerkungen

Aktuell auch als Fallbeispiel in: Bieler, Denise (2010): Public Relations und Massenkommunikation. Einrichtung von Pressestellen um die Wende des 20. Jahrhunderts. Baden-Baden: Nomos. S. 207-221. (Zugl.: München, Univ., Diss., 2009) Siemens selbst bietet unter http://www.siemens.com/history/de/index.htm bzw. https://www.siemens.de/ueberuns/geschichte/Seiten/home.aspx historische Informationen an (Stand 6.12.2011).

2 http://www.siemens.com/about/de/index.htm (Abruf am 6.12.2011)