Die 1960er-Jahre – Zeit des Wachsens I

Agenturentwicklung und PR-Dienstleistungen für die Wirtschaft

Ab Mitte der 1960er-Jahre deutliche Zuwendung zu Public Relations

Abb.: Eintrag im Hamburger Adressbuch von 1967 (S. 393). Im Internet unter: http://agora.sub.uni-hamburg.de/subhh-adress/digbib/start

Unstrittig ist, dass die Firma IP Informationen Public Relations und damit die duale Architektur – auch formal-organisatorisch – aus PR- und Werbeagentur spätestens 1966 bestanden haben muss. Der Brancheninformationsdienst Kress-Report berichtete in jenem Jahr von einer quasi parallelen Auftragsvergabe an die Werbe- und die PR-Agentur:

Die Werbeagentur Dr. Schulze van Loon in Hamburg wurde von der Norddeutschen Variel GmbH, Buxtehude, mit der gesamten werblichen Betreuung ihres Fertigungsprogramms beauftragt. Dazu gehören in der Hauptsache schlüsselfertige Einzelelemente für die Errichtung von Schulen, Kindergärten und Wohnhäusern. Gleichzeitig wurde die IP Informationen/Public Relations mit der Öffentlichkeitsarbeit für die Norddeutsche Variel1 beauftragt.

(Kress-Report 22.9.1966, Meldung 33)2

Abb.: Anzeige der PR-Agentur im Hamburger Adressbuch 1969 (S. 403), jetzt mit Adler als Logo. Im Internet unter: http://agora.sub.uni-hamburg.de/subhh-adress/digbib/start

Abb.: Anzeige der Werbeagentur im Hamburger Adressbuch 1968 (S. 531). Im Internet unter: http://agora.sub.uni-hamburg.de/subhh-adress/digbib/start

In den Folgejahren traten zweifelsfrei beide Schulze-van-Loon-Agenturen am Markt auf, die PR-Firma unter der Eppendorfer Landstraße 86 und das Werbe-Unternehmen unter der Blumenstraße 11(a).3

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1969 – ein Jahr des Expandierens

Abb.: Cognac, Zigarren, schwere Holzvertäfelungen – so das Ambiente zur Cognac-Runde am 21.9.1972 im Mühlenkamper Fährhaus zu Hamburg, einer von Reiner Schulze van Loon (stehend) gern genutzten Veranstaltungsstätte. Foto: IP Informationen / Public Relations. Quelle: Interne Materialien der Agentur Orca van Loon.

Besonders viele Aktivitäten der IP Informationen/Public Relations waren 1969 zu bemerken: Der Kress-Report vermeldete mehrere Kunden: „Autoflug Gerhard Sedlmayr GmbH (Sicherheitsgurte) in Eigenbüttel“ (vermutlich schon vor 1969)4, „Reynolds Metals Company“ (dieses amerikanische Unternehmen errichtete bis 1972 in Hamburg ein Aluminium-Leichtmetallverarbeitungswerk)5, „Bureau National Interprofessional du Cognac“ (diese französische Institution beauftragte PR für den „echten Cognac aus Cognac“ in der Bundesrepublik6 und sollte sich zum treuesten Kunden entwickeln).

Und vor allem eröffneten beide Schulze-van-Loon-Agenturen am 1. Juli 1969 Zweigstellen in der Frankfurter Schumannstraße 43.7

Schwerpunkte der PR-Arbeit

Aus den eben benannten Kunden (die Aufzählung ist sicher nicht vollständig) lässt sich schließen, dass ein (Groß-?) Teil der seinerzeitigen Öffentlichkeitsarbeit/PR produktorientiert („Produkt-PR“) bzw. in Kombination mit Werbung (wohl auch begünstigt durch die duale Organisationsstruktur aus Werbe- und PR-Agentur) erfolgte.

Dies würde die Kennzeichnung der damaligen Entwicklungsphase in der Geschichte der bundesrepublikanischen PR durch Szyszka bestätigen: Der Kommunikations- und PR-Wissenschaftler diagnostiziert für die Zeit von 1961 bis 1972 einen „Wandel von Nachfrage- zu Angebotsmärkten“ und eine „Renaissance von Produkt-Publizität“ bzw. eine „Integration von PR-Arbeit in das Marketing“ (Szyszka 2015, S. 502). Für die folgende Darstellung der „anderen Seite“ von Schulze van Loons Agenturtätigkeit würde diese Charakterisierung allerdings eher nicht zutreffen.

 

Autor(en): T.L.

Anmerkungen

1 Das Variel-System ist ein aus der Schweiz stammendes Beton-Fertigbauteilsystem. Seine Akzeptanz war wohl nicht ohne PR zu bekommen: „Das industrielle Bauen geriet auch in Verruf, weil es Arbeitsplätze zu vernichten schien.“ Vgl. Wikipedia (2019): Fritz Stucky (Architekt).

2 Bereits eine Ausgabe früher (also in Nr. 5) berichtete der Kress-Report (25.8.1966, Meldung 23, S. 9) über einen Neukunden der Dr. Reiner Schulze van Loon Wirtschaftswerbung in Hamburg: Die Fischkonservenfabrik Hans A. Gosch aus Hamburg beauftragte die Werbeagentur „mit der werblichen Betreuung des gesamten Herstellungsprogramms“. [Hinweis: Dieses Gosch-Unternehmen ist nicht identisch mit dem berühmten Aufsteiger-Unternehmer Jürgen Gosch, der auf Sylt eine Legende darstellt. Vgl. Wikipedia 2019 https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCrgen_Gosch_(Unternehmer)]

Frühere Ausgaben des Kress-Reports vor Jahresmitte 1966 konnten leider nicht durchgesehen werden, weil sie in der Deutschen Nationalbibliothek Leipzig nicht vorrätig sind.

3 In den Hamburger Adressbüchern 1968 (S. 395 und 531) und 1969 (z.B. S. 403) sind beide Agenturen eingetragen. Vgl. digital verfügbare Ausgaben im Internet: http://agora.sub.uni-hamburg.de/subhh-adress/digbib/start

4 Vgl. Kress-Report 1969 Nr. 86, Meldung 26, S. 13. Autoflug ist ein traditionsreiches Sicherheits-, Kraftfahrzeug-, Luftfahrt- und Wehrtechnikunternehmen. Beispielsweise wurde 1968 die gesamte Starfighter-Flotte der Bundeswehr (F-104 G) auf vollautomatische Martin-Baker-Schleudersitze umgerüstet. Vgl. https://www.autoflug.com/web/de/company-2/history/

Diese Zusammenarbeit mit Autoflug scheint besondere Bedeutung gehabt zu haben, weil der bisherige Presse- und Werbeleiter der Autoflug Hans Deutsch als Berater zu Schulze van Loon ging bzw. – wie es im Kress-Report (1969, Nr. 69, Meldung 35, S. 11) sogar hieß – am 1. April 1969 „als Vertreter von Dr. Reiner Schulze van Loon die Leitung des Büros IP Informationen/Public Relations in Hamburg“ übernahm. Allerdings verließ Deutsch Schulze van Loon bald wieder und übernahm am 1. Oktober 1969 die „Informations-Abteilung bei der Klippan GmbH (Sicherheitsgurte) mit den Aufgabenbereichen PR, Presse, Werbung und Verkaufsförderung“ (Meldung 26, S. 13).

Über Klippans auch PR-Bedürfnisse schrieb der Spiegel Jahre vorher (20.1.1960 = Nr. 4, S. 58): „Seit einigen Wochen versucht (…) die größte schwedische Gurtfabrik über ein deutsches Tochterunternehmen (Klippan GmbH) ihre Sicherheitsgurte auch in der Bundesrepublik zu popularisieren. Die finanzstarke Firma – Marktanteil in Schweden: 95 Prozent – hat in Hamburg eine Produktionsstätte eingerichtet und bemüht sich, beim Bundesverkehrsministerium und bei anderen einschlägigen Stellen Empfehlungen für ihre Gurte zu ergattern.“

5 Vgl. Kress-Report 1969 Nr. 82, Meldung 23, S. 10.

6 Vgl. Kress-Report 1969 Nr. 81, Meldung 23, S. 9. Im damaligen Kress-Report wurde das BNIC nur Bureau National du Cognac genannt. Möglicherweise reicht diese Kundenbeziehung aber noch weiter zurück: Sein Sohn schreibt in einem Nachruf bezogen auf die Verleihung der Ehrenbürgerschaft durch die Stadt Cognac 1987: Diese habe „anlässlich der 25-jährigen erfolgreichen Zusammenarbeit“ stattgefunden (Schulze van Loon, Dietrich 2006). Das BNIC war 27 Jahre lang Kunde von Schulze van Loon. Vgl. DSvL Interview.

7 Vgl. Kress-Report 10.7.1969 = Nr. 79, Meldung 42, S. 12.