Einführung (Fortsetzung)

Öffentlichkeitsarbeit in der Zeit der Weimarer Republik 1919-1933: ein erster Blick in die Literatur

Theoretisch-historische Einordnung in der Fachliteratur: Beispiel Bentele

Die Zeit der Weimarer Republik ist gewiss und unzweifelhaft ein fester Teil der deutschen PR-Geschichte – und nicht etwa nur „Vorgeschichte“ einer angeblich erst nach dem Zweiten Weltkrieg einsetzenden Entwicklung. In Benteles Modell von Perioden deutscher Öffentlichkeitsarbeit/PR stellt die Weimarer Republik die zweite Periode dar. Unter dem Titel „Konsolidierung und Wachstum (1918-1933)“ wird folgende Kurzcharakterisierung angeführt: „Großflächige Gründung und Ausbreitung von Presseabteilungen in vielen gesellschaftlichen Bereichen: Wirtschaft, Politik, Kommunale Verwaltung etc.“

Abb.: Das Titelblatt der Frankfurter Wochenzeitschrift „Das Illustrierte Blatt“ (14.1.1919) ruft die Bürger dazu auf, zu wählen. Wörtlich: „Jeder tue seine Pflicht und übe sein Wahlrecht aus! Männer und Frauen, geht am 19. Januar zur Wahlurne! Deutsche! Schafft nach innen und außen Klarheit. So wird gewählt. Einwurf des Wahlzettels in geschlossenem Briefumschlag in die neue Wahlurne.“ In der inszenierten Abbildung sind drei Frauen und drei Männer zu sehen, als Zeichen für das Frauenwahlrecht. Ein Mann, sitzend, beobachtet den korrekten Einwurf des Wahlzettels. Druck: Frankfurter Societäts-Druckerei. Quelle: Wikimedia Commons (gemeinfrei).

Als „neue(r) gesellschaftliche Randbedingungen“ wirkten – zum ersten Mal in der deutschen Geschichte – die „parlamentarisch-demokratische Staatsform und eine nicht mehr staatlich gegängelte, ökonomisch selbstständige und aktive Presse“. Die PR der Weimarer Republik sei „bislang erst in Teilbereichen wissenschaftlich erforscht“, resümiert Bentele. (Bentele/Liebert 2005, S. 226f.)1

Nachvollzug der konkreten Geschichte in der Fachliteratur: Beispiel Kunczik

Abb.: Titel des Buches von Kunczik 1997

Die Zeit der Weimarer Republik nimmt in allen Übersichtsdarstellungen zur PR-Geschichte einen wichtigen Platz ein. Kunczik (1997) widmet ihr – sowohl bezogen auf wirtschaftliche (S. 290-307) als auch auf staatliche (S. 166-183) Öffentlichkeitsarbeit – eigene Kapitel. Auch in anderen Kapiteln wird vor- oder rückblickend auf diese Zeit Bezug genommen (S. 206f., 221-223, 229f., 246f., 249-252).

Zusätzlich zur Realgeschichte der PR trifft Kunczik – unter Bezug auf Binder 1983 – auch eine wichtige reflexionshistorische Aussage: „In den 20er Jahren fand eine intensive Diskussion um die ÖA (sic!) und zwar insbesondere über das Verhältnis der ÖA zur Presse statt“ (S. 350; vgl. auch S. 351-353).

Real- und Reflexionsgeschichte der PR: Beispiele: Lange und Liebert

Weitere Darstellungen zur Geschichte der PR speziell zur Weimarer Republik bzw. zur Zwischenkriegszeit mit dem Anspruch generalisierender, verallgemeinerbarer Aussagen haben Lange (2010) und Liebert (insbesondere 2003) vorgelegt. Darauf greifen wir im Folgenden auch wesentlich zurück. Lange wandte sich dem breiten und wohl – aus heutiger Sicht – bedeutendsten Praxisfeld, der unternehmerischen PR, zu. Liebert ging eher reflexions- bzw. theoriegeschichtlich, bezüglich kommunaler Öffentlichkeitsarbeit – in mehreren Aufsätzen (z.B. Liebert 1999) – auch realhistorisch vor.

Autor(en): T.L.

Anmerkungen

1 Bentele führt als Forschungsarbeit zur Weimarer Zeit Lau 2002 über die staatliche Öffentlichkeitsarbeit in den Ländern an. Vgl. dazu auch unseren Beitrag im PR-Museum.